Mehr als Merch: Liveprinting
Zwei Tage @WERC Printshop auf dem Forward Festival im Haus der Kulturen der Welt. Dustbags am ersten Tag, Shirts am zweiten. Besucher:innen wählen Motive – vom Festival, von WERC oder beides – und schauen zu, wie Farbe durchs Sieb drückt. Manche wollen sogar selbst ans Rakel. Zwei, drei Minuten Gespräch, dann hängt das Teil an jemandem, der damit durch Berlin zieht, es fotografiert und nächste Woche wieder anzieht.
Nach 90 Minuten waren die Shirts weg. Die letzten mit Flecken und Rissen. Hauptsache, noch eins abbekommen…
Live-Siebdruck auf Events macht kaum jemand, einfach weil es für die meisten zu aufwändig ist: Siebe, Rakel, Trocknung, Farbe für Farbe. Wir haben unseren Printshop so gebaut, dass es trotzdem läuft. Das Ergebnis: Dwell Time quasi 100 Prozent. Leute bleiben stehen, gucken, reden, werden Teil des Prozesses. Kein Briefing nötig.
Zufall ist das nicht, sondern Psychologie, die sich messen lässt. Denn der sogenannte IKEA-Effekt (Norton, Mochon, Ariely, 2012) zeigt: Menschen bewerten Dinge, an deren Entstehung sie beteiligt waren, deutlich höher – in klassischen Studien bis zu 63 Prozent mehr Zahlungsbereitschaft, selbst wenn das Ergebnis objektiv nicht besser ist. Es geht um Ownership. Wer mit druckt, besitzt nicht nur ein T-Shirt, sondern eine Geschichte, die man tragen kann: „Ich war da, ich hab’s gemacht.“ Die Forschung nennt das den Handmade-Effekt: Handgemachtes schätzen wir höher, weil wir darin etwas Persönliches sehen.
Genau das treibt Community-Teilhabe. Die Gedächtnisforschung kennt das als Enactment-Effekt: Was wir selbst tun, bleibt besser hängen als das, was wir nur sehen. Live-Erlebnisse bauen außerdem Vertrauen auf, gerade bei der jungen Zielgruppe. Laut Freeman Gen Z Report (2023) vertrauen 71 % der Gen Z einer Marke nach einem Event mehr. Und das hält: Bei knapp zwei Dritteln bleibt das Vertrauen mindestens einen Monat bestehen. Dazu kommt, dass jeder, der sein Shirt trägt und teilt, selbst zur Empfehlung wird. Und Empfehlungen aus dem eigenen Umfeld vertrauen laut Nielsen Trust in Advertising Study (2021) 88 % der Menschen, mehr als jeder anderen Werbeform. So wirkt der Moment am Stand weit über den Abend hinaus: erst im Kopf, dann im Kleiderschrank, dann im Feed.
Kulturell sitzt das mitten im Berliner Nerv. Das HKW ist keine sterile Eventlocation, sondern ein Ort, an dem Ideen, Kritik und Form aufeinandertreffen. Forward bringt die Magazin- und Design-Community zusammen: Leute, die Gestaltung lieben, ob auf Papier, auf Stoff oder auf dem Screen. In einer Zeit, in der vieles nur noch durch Feeds rauscht, wird ein selbst bedrucktes Stück Stoff zum Moment, den man anfassen kann. Offline bekommt gerade wieder Gewicht, besonders bei jüngeren Generationen, die bewusst analoge, greifbare Momente suchen. Nicht aus Nostalgie, sondern weil echte Beteiligung die Echtheitsfrage einfach auflöst.
Der Charme liegt im Unperfekten. Flecken, Risse, der Geruch von Farbe, das Warten, das Zuschauen. Das ist kein sauberer Pop-up mit QR-Code und fertigem Giveaway. Es ist ein kleiner, beobachtbarer Produktionsprozess, der aus Besuchern Mitmacher macht und aus Merch mobile Billboards mit Geschichte.
Kunde happy, Besucher happy, werc happy. Und das Format reist weiter: Launches, Store-Openings, Messen und Workshops. Wer will, dass Leute nicht nur vorbeikommen, sondern bleiben, mitmachen und den Namen weitertragen: Genau hier setzt der Hebel an.
Kein großes Versprechen. Einfach Farbe, Sieb und die Einladung, selbst Hand anzulegen.
Hier nochmal ein Artikel über unseren Printshop am Forward Festival mit Bildern.
Hier ein paar generelle Infos zu unserem Printshop.
Fotos von Carl Wander vom 10 Jahre Usagi Event Printshop


